Reden Sie Tacheles!

So, liebe Leser, lautet einer der Appelle, der uns auf dem Weg zu mehr Klarheit unterstützt.

Wie ich in meinem Buch „Feigling oder Führungskraft?“ schreibe, wünschen sich die meisten Menschen Klarheit – tun sich jedoch gleichzeitig schwer, selbst klar zu sein.

Klare Worte zu finden, klare Entscheidungen zu treffen, klare Grenzen zu zeigen und klare Fragen zu stellen – nichts für Feiglinge.

Tacheles reden? Oh nein, besser nicht, das klingt ja fast bedrohlich – werden einige Leser denken.

So dachte auch eine junge Abteilungsleiterin, die ich vor einigen Monaten zu unterschiedlichen Themen beraten habe, die ihre neue Führungsaufgabe betrafen.

„Ich habe wirklich gute Mitarbeiter, aber es macht eigentlich jeder in der Abteilung, was er will und vor allen Dingen, wann er will.“ „Was meinen Sie genau damit?“ wollte ich wissen.

„Unsere offizielle Arbeitszeit beginnt um 9.00 Uhr, aufgrund der Vertrauensarbeitszeit sollten alle Mitarbeiter bis 9.30 Uhr am Arbeitsplatz sein. Einer meiner Sachbearbeiter kommt regelmäßig gegen 10.00 Uhr, geht aber pünktlich um 18.00 Uhr in den Feierabend. Das ist unfassbar! Hinzu kommt, dass dieser Mitarbeiter mehrmals am Tag zum Rauchen vor die Tür geht. Das geht alles zu Lasten der Arbeitszeit.“

Die Abteilungsleiterin hatte einmal ausgerechnet, dass dieser Mitarbeiter pro Woche in Summer drei Stunden zu wenig arbeitet – das ergibt ein monatliches Defizit von zwölf Stunden, das sind unfassbare 1,5 Tage!

Die Führungskraft berichtete, dass sie bereits mehrere Gespräche mit dem Mitarbeiter geführt habe, die Einsicht jedes Mal vermeintlich groß gewesen sei – geändert habe sich allerdings nichts.

Ich bat die sichtlich empörte junge Frau, nahezu wörtlich zu formulieren, was sie dem Sachbearbeiter gesagt hat.

„Ich habe gesagt, dass ich zufällig mitbekommen hätte, dass er morgens erst um 10.00 Uhr ins Büro käme. „Das ist eigentlich eine halbe Stunde zu spät. Hinzu kommt, dass Sie öfter zum Rauchen vor die Tür gehen. Ich würde mir wünschen, dass Sie Ihre zeitliche Planung besser in den Griff bekommen, denn andere Mitarbeiter könnten irgendwann verstimmt darüber werden, dass Sie als Kollege so viel Freiräume nutzen.“

Tja – wie vermutet haben diese Worte wenig mit Klarheit zu tun. Tacheles reden geht anders!

Tacheles reden heißt, in angemessener Form auszusprechen, was ich denke, empfinde und erwarte.

Die Abteilungsleiterin entschloss sich, ein erneutes Gespräch mit dem Mitarbeiter zu suchen und nahm sich folgendes vor:

Sie wird klar sagen, was ihr aufgefallen ist.

Wann ist der Mitarbeiter um wie viel Uhr gekommen und wie viele Raucherpausen mit welcher Dauer macht er täglich? Dieser Punkt ist wichtig, denn er macht die Wahrnehmungen der Führungskraft für den Mitarbeiter nachvollziehbar.

Die Abteilungsleiterin wird das Gefühl benennen, welches das Verhalten des Mitarbeiters bei ihr auslöst.

Für die Chefin bedeutet das, sich nicht hinter einer möglichen Reaktion der Kollegen zu verstecken („andere Mitarbeiter könnten irgendwann verstimmt darüber werden . . .“), sondern zu sagen: mich ärgert Ihr Verhalten!

Die Abteilungsleiterin wird ihre Erwartungshaltung konkret formulieren.

Der Führungskraft wurde in unserem Gespräch bewusst, dass ihre Worte „Ich würde mir wünschen“ zu weich und unverbindlich waren. „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich an die Arbeitszeiten halten“ gibt dem Mitarbeiter eine klare Orientierung.

„Mit diesen Ideen im Kopf fühle ich mich bereits besser und werde das Gespräch direkt morgen führen.“ Die Abteilungsleiterin wirkte aufgeräumter als zu Beginn unseres Beratungsgespräches.

Man sieht Menschen an, wenn Sie ein Stück Klarheit gewonnen haben: Ihr Blick ist direkt auf das Gegenüber gerichtet, die Worte klingen besonnen und ernst. Der Vorsatz, Tacheles zu reden, hilft im ersten Schritt dabei, Klarheit für sich selbst und im zweiten Schritt für andere zu schaffen.

Sie denken, dass klappt bei Ihnen nicht? Sie haben eine aktuelle berufliche Situation, die von Ihnen verlangt, Klartext zu reden und Sie wissen nicht, wie Sie das gestalten können?

Nutzen Sie unser kostenloses Beratungsangebot!

Schreiben Sie mir (n.pathe@pingcom.de) und ich stimme mit Ihnen einen Termin für eine 20-minütige kostenfreie Beratung ab.

Ich freue mich auf unser Gespräch

. . . und natürlich auf den zweiten Appell der Klarheit, über den ich kommende Woche schreiben werde: Holen Sie sich Antworten!

 

Bis dahin, viele Grüße

 

Nicole Pathé